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Publiziert am 25.08.2020 09:59 im Bereich BZSL
Handel im Wandel

Die digitale Transformation ist bereits im Handel angekommen

Das fortschreitende Wachstum des Online-Handels setzt den traditionellen, stationären Handel zunehmend unter Druck. Dies zeigen auch die Wachstumsraten und deren Wachstumsentwicklungen für die Zukunft. Während in den letzten Jahren das Wachstum der Online-Händler stetig zunahm, stagnierte es beim stationären Handel. Diese Shoppingaktivitäten werden durch die Nutzung der mobilen Endgeräte wie Smartphones und Tablets, und jetzt zusätzlich durch die Corona-Zeit, befeuert.

Die Verfügbarkeit rund um die Uhr, kostenlose Lieferungen und Retouren sowie die riesige Sortimentsauswahl mit diversen Zusatzprodukten verschiedener Branchen setzen dem stationären Handel Grenzen. Weil die Menschheit immer mehr «digital nativ» wird und die grosse Masse der Konsumenten stellt, wird sich dieser Trend noch verstärken. 

 

So fragt man sich, ist der stationäre Handel ein Auslaufmodell? Die neusten Erhebungen bei den Konsumenten zeigen jedoch, dass ca. 75 % der Konsumenten nach wie vor den stationären Handel besuchen und dies über alle verschiedenen Branchen hinweg. Weiterhin schätzen über 40 % der Konsumenten die umfangreiche Beratung des Personals. Für einen grossen Teil der Konsumenten ist die Haptik der Produkte sehr wichtig. Auch der persönliche Kontakt mit dem Personal und deren Produktekenntnisse wird von sehr vielen Konsumenten nach wie vor sehr geschätzt. Für viele steht auch das Einkaufserlebnis noch stark im Vordergrund.

 

Und doch steht die digitale Veränderung nicht nur vor der Türe, nein, sie ist schon mitten in unserer Einkaufswelt angekommen. Wir shoppen mit Self-Scanning oder Cashless, mit der Handy-Bezahl-App. An grossen Bahnhöfen gibt es die Avec-Box, in welcher man mittels einer Handy-App kassenlos, ohne Personal, einkaufen kann. Es gibt Pick-up-Standorte, wohin man sich von verschiedenen Detailhandelsgeschäften Online-Bestellungen liefern lassen kann.

 

Läden werden nicht verschwinden, im Gegenteil, Online-Händler haben die Stimmung der Konsumenten erkannt.  Sie richten an Hotspots Showrooms ein, wo die persönliche Beratung sowie die Haptik des Befühlens der Ware für den Kunden möglich ist.

 

Genau das ist die Chance des stationären Handels. Die persönliche Beratung, das Ausprobieren der Ware, ein Gefühl für das Produkt bekommen und doch die neuen Medien in den Verkauf miteinbeziehen. Das Schlagwort heisst Omni-Channel Journeys.

 

Viele Geschäfte haben schon damit begonnen, dass der Kunde vor Ort mittels Tablets das gesamte Sortiment anschauen kann, obwohl das Produkt nicht vor Ort ist. Der Vorteil für den Händler ist, dass er Kosten und Abschreibungen sowie Lagerplatz einspart. Auch kann er ein viel tieferes und breiteres Sortiment anbieten, was sein Geschäft für die Konsumenten attraktiver macht. Natürlich wird die Digitalisierung noch viel mehr Einfluss in den Handel haben. Im Textilgeschäft wird es den digitalen Spiegel geben, wo man die Kleider virtuell anprobiert und zusätzliche Accessoires (Schal, Tasche usw.) dazu angeschaut werden können.

 

Auch die Werbung wird sich stark verändern. Wir werden von unserem Detaillisten über WhatsApp mit personalisierter Werbung auf dem Laufenden gehalten. Die Werbung ist den Interessen, Wünschen und Bedürfnisse des einzelnen Kunden angepasst. Die Angebote sind auf jeden Kunden speziell zugeschnitten. Dies wird erreicht, in dem auf der Basis von gesammelten Kundendaten und Informationen zurückgegriffen wird. Durch die personalisierten und individuellen «Nachrichten» (sprich Werbung) können relevante und passgenaue Angebote unterbreitet werden.

 

Das ermöglicht auch dem stationären Handel, zielgruppenorientiert zu operieren, kontinuierlich sein Sortiment weiter zu entwickeln, eine ausbalancierte Tiefe und Breite des Sortiments sowie trendorientierte Produkte anzubieten. Auch die Vorteile des bequemen Einkaufens über die verschiedenen Kanäle vor Ort anzubieten und dies mit einem Einkaufserlebnis inklusive Beratung und dem Produkt zu verbinden. Wir werden durch unsere Kunden ein Teil der Social Media, über uns und unsere Produkte wird «geliked» und gepostet. Wir wissen, dass auf Social Media schon über 25% der Konsumenten nach Marken suchen und sich generell über Trends und Brands darin orientieren.

 

Der stationäre Handel und den Beruf der Detailhandelsfachfrau / des Detailhandelsfachmanns werden wir auch in Zukunft noch erleben und schätzen. Natürlich werden wir auch im stationären Handel und in der Art, wie verkauft wird, Veränderungen wahrnehmen. Aber wir werden nicht auf den persönlichen Kontakt zum Detailhandel sowie die individuelle Beratung mit einem schönen Einkaufserlebnis verzichten müssen.

 

Roman Meier, Berufsfachschullehrer