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Donnerstag, den 10. Januar 2002 um 02:00 Uhr
Lehre und Matur vergleichbar

Noldi Bühler meinte schalkhaft, die Sarganserländer seien flexibel und würden die von St.Gallen gewünschte Änderung der Schulbezeichnung «ehrfürchtig entgegennehmen». Für Hans Ulrich Stöckling wäre es wünschenswert, zur gemeinsamen Werbung für alle Berufsschulen vergleichbare Bezeichnungen wie «Berufs- und Weiterbildungszentrum» zu haben. Er stellt die Kantonsschulen und die kantonalen Berufsschulen auf eine gleichwertige Stufe. Ob die Kanti oder eine Berufslehre absolviert werde, sei nicht mehr ein endgültiger Entscheid. Die tiefe Maturandenquote des Kantons St.Gallen von 12 bis 15 Prozent (Schweiz 18 Prozent) ist für Stöckling kein Problem. Er freut sich über die «genügende Anzahl Lehrstellen», denn dank der Berufsbildung sei entsprechend auch die Jugendarbeitslosigkeit tief. Der Kanton St.Gallen nehme bei den Ausbildungszahlen sogar einen Spitzenwert ein. Stöckling sagte deutlich: «Das Gestöhne um zu wenig Lehrstellen stimmt nicht.»

Neue Schule funktioniert gut

 {mosimage}Skeptisch zeigte sich Stöckling bei seinem Referat vor der Lehrerschaft und den Behörden der Berufsschule Sarganserland von vorgestern Abend über eine «übertriebene Förderung der Informatik-Ausbildung». Vielleicht werde sich die Situation bis in vier Jahren wieder geändert haben. In den gewerblichen Berufen gehe man von der «Über-Spezialisierung» wieder zurück. In diesem Zusammenhang sei es auch kein Unglück, wenn es Unterschiede von Schule zu Schule oder von Lehrer zu Lehrer gebe. Trotz dieser Informatik-Skepsis war es für Stöckling ein Vergnügen, mit einem Maus-«Click» die Website www.bzsl.choffiziell einzuweihen. Gekonnt wählte er alle fünf Abteilungen kurz an, um die Funktionsweise zu testen. Er erntete einen kräftigen Applaus für seine Schluss-Bemerkung, dass der Kanton St.Gallen mit der Berufsschule Sarganserland ein «gut funktionierendes System» übernehmen könne.

Förderung der Weiterbildung

Überraschend kündigte Stöckling an, künftig könnte man Lehraufträge zwischen Berufs- und Mittelschulen stärker austauschen, zum Beispiel um Mittelschullehrern zu zeigen, dass auch in Berufsschulen seriöse Arbeit geleistet werde. Offen sei noch die Dienst- und Besoldungsordnung - er möchte aber für die Berufsschullehrer das System der Mittelschullehrer mit mehreren Beförderungsmöglichkeiten übernehmen. Die volle Angleichung der Löhne sei momentan finanziell noch nicht verkraftbar.
Zusammen mit der bewährten Kanti Sargans sei jetzt ein weiterer «wichtiger Pflock» im Sarganserland gesetzt worden. Die Berufsschule Sarganserland habe noch ein Entwicklungspotential im Bereich Weiterbildung, als berufsspezifische Ergänzung zur allgemeinen Ausbildung der Erwachsenenbildung Sarganserland. Rektor Renato Bergamin betonte, dass durch die Kantonalisierung keine Nachteile entstünden. Schmunzeln und Gelächter löste einzig seine Vorsicht bei der Verwendung des aktuellen Schul-Namens aus.

Fünf Schulen

 {mosimage}Die kantonalisierte Berufsschule Sarganserland (BSSL, später BZSL) mit Sitz in Sargans und Walenstadt ist ein freiwilliger Zusammenschluss folgender fünf Schulen: Kaufmännische Berufsschule Walenstadt (Abteilungsleiter Daniel Good), Berufsschule für den Detailhandel Sargans (Renato Bergamin), Schule für Gesundheits- und Krankenpflege (Heinz Bolt), Haushaltungsschule Broderhaus Sargans sowie Sarganserländer Sozialjahr (für beide Sibylla Scherrer).
Dieser neuen Bildungsinstitution des Kantons St.Gallen steht Rektor Renato Bergamin vor. Präsident der Berufsschulkommission ist Noldi Bühler, Gemeindepräsident von Walenstadt. Regierungsrat Hans Ulrich Stöckling möchte die Autonomie der einzelnen Schulen beibehalten, denn das bisherige gute System solle weitergeführt werden.