Eine Sternstunde für das BZSL PDF 
Freitag, den 04. Mai 2007 um 02:00 Uhr
Von der Skepsis zur Überzeugung

Zertifizierung«Die Idee, auch im Schulbereich Qualitäts-Zertifizierungen vorzunehmen, stiess nicht nur bei mir anfänglich auf Skepsis», gab der Erziehungschef in seiner Gratulationsrede unumwunden zu. Der Ursprung der Zertifizierung liege in der Industrie, die mit dieser Massnahme einen gleich bleibend hohen Qualitätsstandard ihrer Produkte erzielen wollte. Im Schulbereich gehe es aber nicht um Material, sondern um Menschen. Gerade diesem Aspekt würden jedoch mittlerweile die speziellen Zertifkatsarten Rechnung tragen, so dass er nun voll von deren Nutzen überzeugt sei, betonte Stöckling. Die gemeinsamen Stärken und Schwächen im Aufbau und den Abläufen zu evaluieren und Optimierungsmöglichkeiten zu suchen, sei der Weg und bereits ein Teil des Ziels. «Was heute in einem Ordner als Qualitätshandbuch daherkommt, ist die Verpflichtung, auch künftig diesen Qualitätsgrundsätzen nachzuleben». Der Erziehungschef gratulierte dem ganzen Team des BZSL herzlich zum grossen Erfolg und zeigte sich auch stolz darüber, dass sich damit der Kreis der kantonalen Berufs- und Weiterbildungszentren mit zertifizierten oder etablierten Qualitätssystemen damit praktisch schliesse.

«Ein fantastisches Team»

Eine Anekdote um Sherlock Holmes und seinem Trabanten Dr. Watson diente als Einstieg in die Ausführungen von Rektor Renato Bergamin: Watson erwachte beim Campieren auf dem Feld und sinnierte über die sich ihm präsentierende Sternenpracht aus den Blickwinkeln der Astronomie, der Astrologie, Meteorologie und der Theologie, bis ihn Sherlock Holmes in die Realität zurückholte: «Man hat unser Zelt gestohlen!». Das rasche Erkennen von Kernroblemen sei auch ein wichtiges Qualitätsmerkmal, schlug Bergamin eine Brücke zum analytischen Vorgehen im Zertifizierungsprozess. Das selbstkritische Offenlegen von bestehenden Mängeln schaffe erst die Voraussetzung, um an der Erreichung des angestrebten Qualitätslabels zielgerichtet zu arbeiten.
«Ich konnte dabei auf ein motiviertes, fantastisches Team zählen», hielt Bergamin nachdrücklich fest.

Ein langer Weg

Der Rektor hielt einen gut dokumentierten Rückblick auf den langen Weg von der Idee bis zum Erreichen des angestrebten Ziels. Leitbild, Aufbau der Feedbackkultur, systematische Selbstevaluation und externe Schulevaluation waren die wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zum Erfolg. Noldi Bühler, Präsident der Berufsschulkommission, erinnerte sich vor der Abgabe der Zertifikate, wie mit der Idee von Renato Bergamin im Jahre 2002 das Ganze seinen Anfang genommen habe. Bislang sei nur die ISO-Zertifizierung ein Begriff gewesen, dem noch wenig bekannten Q2E (Qualität durch Evaluation und Entwicklung) sei anfänglich auch die Kommission etwas skeptisch gegenübergestanden. Doch diese Wahl habe sich nun als völlig richtig erwiesen, und Bühler hob dabei - wie schon zuvor Regierungsrat Stöckling - besonders hervor, dass die Zertifizierung auf eigene Initiative und ohne Druck von oben lanciert wurde. «Das Zertifikat ist der Führerschein, um auf diesem hohen Niveau weiter zu fahren».
Den Abschluss der gehaltvollen Feier bildete ein von den Schülerinnen des Broderhauses vorbereiteter, gediegener Apéro. Auch hier höchste Qualität - Q wie q-linarisch, wie Renato Bergamin ankündigte.


Aus der Sicht einer Schülerin

Stefanie Meier«Wer profitiert am meisten von einer Schule, die zertifiziert ist?» stellte Renato Bergamin die rhetorische Frage und wusste sich in der Beantwortung einig mit den Anwesenden: Es sind die Lernenden im Genuss eines Unterrichts, wo Qualität ganz besonders spürbar sein soll. Denn, so Bergamin, «an unserem BZ werden jährlich 18 000 Lektionen gehalten. 18 000-mal jährlich sind während jeweils 45 Minuten bis zu 24 Lernende von Unterricht betroffen».
In einem ausgeschriebenen Wettbewerb für einen Textbeitrag zu «Qualität an der Berufsfachschule aus meiner Sicht» wurde Stefanie Meier aus Murg, angehende Kauffrau im 1. Lehrjahr bei der Raiffeisen in Quarten im 1. Rang prämiert. In ihrer Arbeit, die sie gleich selbst vortragen konnte, erhielt die von ihr besuchte Kaufmännische Berufsschule in Walenstadt Höchstnoten in allen Bereichen: Standort, Umfeld, Atmosphäre und ein kompetentes, aufgestelltes Team von Lehrkräften.
«Ein Unterricht, der weit über die Vorgaben reiner Wissensvmittlung hinausgeht - das ist aus meiner Sicht Qualität», brachte es Stefanie Meier auf den Punkt.


Ein aussergewöhnliches Geschenk

Im Verlauf der Schilderung des langen Weges zur Zertifizierung durch Rektor Renato Bergamin wurde bei jedem der erwähnten fünf Meilensteine ein weiterer Teil eines Bühnenbildes aufgestellt, das sich zuletzt in der kompletten Zusammenfügung als grosser Lebensbaum, gemalt vom bekannten, kreativen Künstler Ted Scapa, entpuppte. Es war das Bühnenbild für das letzte Programm "frisch geliftet" des legendären Kabarettistenpaars César Kaiser und Margrit Läubli und wird nun als Geschenk an das Sarganserland und an das Beurfsbildungszentrum einen ehrenvollen, bleibenden Platz im Foyer des BZSL finden.
Noch anfangs Februar sei vorgesehen gewesen - so Bergamin, der persönlich mit den Künstlern verbunden ist - dass an dieser Feier Margrit Läubli und César Keiser die Geschichte dieses Bildes erzählt hätten. Das Paar hatte sich 1951 im Kursaal in Bad Ragaz kennen gelernt. Leider ist César Keiser am 25. Februar unerwartet gestorben. Der anwesende Künstler Ted Scapa, den eine alte Freundschaft mit Läubli & Keiser verbindet, signierte an Ort und Stelle sein Werk.

«Der Abgeschaffte»

Margrit Läubli und Renato BergaminMargrit Läubli las aus dem «Grossen César Keiser Cabaert Buch» eine bitter ironische und trotzdem amüsante Geschichte «Der Abgeschaffte». Nur durch die Abschaffung des Menschen könne das Ziel eines totalen Weltfriedens erreicht werden, hatte ein intelligenter Computer herausgefunden, nachdem er mit allen relevanten Daten gefüttert worden war. Als möglichst humanes Mittel wurden sich die Grossen der Welt einig, sämtlichen trinkbaren Flüssigkeiten ein Sterilisationsmittel beizumischen. Der Erfolg stellte sich bald ein: Keine Überbevölkerung, Nahrung im Überfluss, keine Kriege mehr wegen Gebietsansprüchen, liquide Mittel in Hülle und Fülle - paradiesische Zustände. Als die immer mehr schrumpfende, mittlerweile «zahnlos vergreiste» Restbevölkerung mit einem Anti-Sterilisationsmittel wieder Gegensteuer geben wollte war es schon aus biologischen Gründen zu spät. Und so konnte der geniale Computer - als auch der letzte Homo Sapiens abgeschafft war - mit blecherner Stimme plärren: «Ziel erreicht». (hi)