Appelliert an Eigenverantwortung

2011 Präventionsanlass Fahrsimulator

An Berufs- und Weiterbildungszentrum Sarganserland BSZL werden die Auszubildenden mit der Präventionsveranstaltung «von null auf hundert» sensibilisiert. Moralisiert wird allerdings nicht, gerade deshalb kommt der Anlass an.

Markus Roth

43 Prozent der elf bis 15jährigen trinken einmal wöchentlich Alkohol, 30 Prozent haben einmal pro Monat einen Rausch. Dies hat manche Einlieferung in ein Spital zur Folge. Eindrückliche Zahlen, welche zu Beginn der Veranstaltung im BZSL in den Abteilungen Detailhandel und Kaufleute präsentiert wurden. Im Plenumsreferat gab Andreas Hirlinger, Chefarzt Anästhesiologie und Intensivmedizin am Spital Lachen Einblick in seinen Alltag. Drei bis vier Jugendliche werden pro Woche wegen Alkohol, Drogen oder KO-Tropfen hospitalisiert. Mit Bildern, welche zum nachdenken, anregen, konnte Andreas Hirlinger bei den Jugendlichen punkten. «Drogen verändern Funktionen im Körper, verändern die Einwicklung», so der Chefarzt. Folgen von Nikotin verursachen im Gesundheitswesen Kosten von 10 Milliarden Franken pro Jahr. Pro Tag seien 23 vorzeitige Todesfäll zu verzeichnen. Auch die Erläuterungen zum Alkohol stiessen auf «Ahas». Bei einem Promille Alkohol im Blut dauert es zehn Stunden, bis jemand wieder nüchtern ist. Als sehr schlimm bezeichnete Andreas Hirlinger die Kombination Alkohol und Drogen. Sehr lange im Körper halte sich Cannabis, bis zu einem halben Jahr nämlich. Deshalb komme es nicht zu Entzugserscheinungen. Auch seinem Ärger machte der Chefarzt Luft: «Drogen, Alkohol, Nikotin – wir im Spital müssen die Folgen ausbaden». Das sehr eindrückliche Referat kam bei den Jugendlichen durch die Art von Andreas Hirlinger positiv an.

Nicht moralisiert

Durchgeführt wird die Kampagne «von null auf hundert» durch die ckt gmbh, welche in der ganzen Schweiz solche Veranstaltungen organisiert. Ziel ist es, die Jugendlichen durch eine bedürfnisgerechte Sensibilisierung auf die spezifischen Risikofaktoren ihrer Altersgruppe aufmerksam zu machen. Dabei wird nicht moralisiert sondern aufgeklärt. Eingesetzt werden dabei Spezialisten aus unterschiedlichen Fachbereichen. Sensibilisiert werden soll auf die hohe Risikobereitschaft, den oftmals übermässigen Suchtmittelkonsum, die Selbstüberschätzung oder das Imponiergehabe im Verkehr.

Bleibende Workshops

In vier Workshops wurden die Auszubildenden des BZSL näher mit den Themenbereichen vertraut gemacht. Gar Spass war angesagt bei der Fachstelle ASN Alkohol am Steuer – nie! Am Fahrsimulator konnten die jungen Menschen für einmal quasi unter Alkoholeinfluss fahren. Manches virtuelle Reh wurde dabei überfahren. Im Rauschbrillenparcours wurde aufgezeigt, wie schwierig es ist, in veränderten Zustand richtig zu reagieren. «Let’s jump» hiess der Workshop der Basler Versicherung, bei dem anhand eines echten Beispiels die Folgen eines Unfalls durchgenommen wurden. Ein Unfall mit Toten und Schwerverletzten brachte Kosten von total 7.5 Millionen Franken. Ein eindrücklicher Film über einen Koma-Patienten wird wohl manchen in Erinnerung blieben. Die Kantonspolizei St. Gallen brachte ihre Arbeit, vor allem jene der Prävention, näher. Die Jugendlichen stellten rege Fragen und konnten in entspannter Atmosphäre mit den Polizisten diskutieren. Wie wichtig es ist, sich selber einzuschätzen zeigte der Workshop mit einer Psychologin. Sie zeigte auch, wie hilfreich es ist, sich mit der eigenen Person zu beschäftigen.

Die Impulstagung am BZSL kam bei den Auszubildenden gut an, vor allem dass ohne erhobenen Zeigefinder gearbeitet wurde. «Es war ein eindrücklicher Tag und es konnte in den Workshops auch diskutiert werden», lautetet das Fazit einiger Jugendlichen.

 

(Fotos Markus Roth)

 

2011 Präventionsanlass Fahrsimulator

 

Fahrsimulator bringt neue Eindrücke

 

2011 Präventionsanlass Vortrag

 

Plenum mit Vortrag Andreas Hirlinger

 

2011 Präventionsanlass Diskussion

 

Diskussion der Auszubildenden